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Edition: Digitalisierung

Wie verändert die Digitalisierung die Wohnungswirtschaft?

Wir wissen, die Immobilienwirtschaft verändert sich. Mit zunehmender Digitalisierung müssen neue Herausforderungen bewältigt werden. Aus Ihrem Alltag kennen Sie diese bereits, aber welchen Einfluss haben sie auf Ihre Arbeitswelt?

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Feature

Grenzenlose Digitalisierung? Wie die Welt online bezahlt

Ein internationaler Vergleich zeigt Grenzen bei digitalen Transaktionen und sich abzeichnende Trends.

Seitdem der Einsatz von Smartphones den Alltag prägt, gehen die Menschen auf der ganzen Welt davon aus, vielfältige mobile Services nutzen zu können. Im Detail unterscheiden sich dabei die Nutzerinteressen in Europa spürbar. Das zeigt auch die von Aareon in Zusammenarbeit mit m-result durchgeführte Studie „International Resident Survey“. Während in Deutschland über ein Drittel der Mieter beispielsweise das Thema „Haushaltsreparaturen“ gerne in Apps integriert hätte, wünscht sich in Frankreich knapp die Hälfte der Befragten, dass das Themenfeld „Urlaub, Hotels und Reisen“ in einer mobilen Lösung berücksichtigt wird.

Es geht aber zunehmend nicht mehr nur um die Bereitstellung von Informationen, sondern auch um die ganzheitliche Abwicklung von Prozessen und damit auch um die Anbindung finanzieller Services im Wohnumfeld. Denn wer heute schon das bequeme mobile und kontaktlose Bezahlen per Smartphone bei den führenden Discountern gewohnt ist, der wird zukünftig auch bei Bezahltransaktionen im Quartier erwarten, dass sie zeitgemäß und digital abgewickelt werden können. Um abschätzen zu können, welche Perspektiven sich hier bieten, haben wir Entwicklung und Status quo des elektronischen Bezahlens einmal näher untersucht.

Virtual Payment statt Cash?

Noch bis in das 21. Jahrhundert hinein waren die Urlaubs- und Reisevorbereitungen analog geprägt: Vor Reiseantritt musste man sich mit Bargeld in der Währung des Reiseziels versorgen, um das Taxi am Flughafen in Lissabon, das Croissant in Paris oder den Gyros-Teller in Griechenland bezahlen zu können. Zwar ist bereits 1999 im elektronischen Zahlungsverkehr der Euro als Buchgeld eingeführt worden. Aber erst zu Neujahr 2002 erhielten Bürger und Geschäftsleute Bargeld am Automaten oder am Schalter, mit dem sie zumindest in Europa grenzüberschreitend zahlen konnten. Umrechnungskurse sind seitdem im Euroraum Geschichte. Die Reisevorbereitung fällt viel leichter – und auch das Bezahlen vor Ort. Einen erheblichen weiteren Beitrag für die bequeme bargeldlose Zahlung außerhalb Europas leistet die Kreditkarte.

Grenzenloser Zahlungsverkehr also? Die Realität sieht 2017 noch ein bisschen anders aus, als man annehmen mag. Trotz der weitreichenden Digitalisierung im Zahlungsverkehr gibt es im Alltag noch ein paar Hürden. Gleichzeitig zeigen neue Akteure auf diesem Feld, wie schnell sich Dinge ändern können. Auch hier hilft ein internationaler Vergleich bei der Orientierung.

Detroit, Anfang 2015: Die Automobilbranche trifft sich wie jedes Jahr zur „North American Auto Show“. Geschäftsreisende aus der ganzen Welt kaufen Messetickets, bezahlen ihr Mittagessen und geben am Abend Trinkgeld an der Hotelbar. Fast alles wird elektronisch bezahlt, ohne Kreditkarte kommt man hier nicht weit – selbst beim Kauf des Schokoriegels im kleinen 7-Eleven-Supermarkt um die Ecke. Und diejenigen, die nach der Messe in einer der großen Malls noch eine Shopping-Tour machen, stellen fest: Die in Europa unüblichen Google Wallet, ApplePay und PayPal werden an den Kassen nicht nur ebenfalls akzeptiert, sondern mitunter sogar bevorzugt. Bargeld- und kontaktloses Zahlen ist hier weit verbreitet. Die meisten Europäer dagegen kennen PayPal allenfalls vom letzten eBay-Schnäppchen.

AareonMAG: Grenzenlose Digitalisierung
Quelle: Thinkstock

Was tun, wenn die deutsche Kreditkarte im digitalisierten Skandinavien versagt?

Schweden im Sommer 2017: In Skandinavien stehen die Euroverwöhnten Urlauber des Kontinents zwar weiterhin vor einer ungewohnten Aufgabe – sie müssen umrechnen und in der Landeswährung Krone bezahlen. Der extrem hohe Digitalisierungsgrad im Zahlungsverkehr lässt einen in den nordischen Ländern aber zunächst kurz aufatmen: Die auch bei uns üblich gewordene Kreditkarte steckt ja im Portemonnaie und kann eingesetzt werden. Doch halt: An Automaten-Tankstellen – die hier sehr weit verbreitet sind – wird die von einem deutschen Kreditinstitut ausgegebene Visa-Karte nicht akzeptiert. Was früher mit der EC-Karte möglich war, sollte alternativ heute die Maestro-Karte erledigen. Doch die vollautomatische Zapfsäule mit eingebautem Zahlterminal begrenzt den Betrag, den man damit bezahlen kann. Während in Deutschland das Risiko vom Händler auf die Kreditinstitute und Kreditkartengesellschaften verlagert wird, sichert sich hier im hohen Norden die jeweilige Tankstellenkette direkt gegenüber dem Kunden ab. Für Einheimische gilt das nicht: Deren Karten werden akzeptiert. Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr ist also alles andere als grenzenlos. Das gilt auch dann, wenn man zum Beispiel von Malmö kurz über die Öresundbrücke nach Dänemark fährt. Auch dort kann es einem deutschen Urlauber selbst im hippen Burger-Restaurant passieren, dass das Limit für die mitgeführte Karte eher knapp ist.

Dänemark und Schweden sind schon länger Spitzenreiter in der jährlichen Zahl der Kartentransaktionen pro Einwohner. Auch, weil nur noch rund 20 Prozent aller Transaktionen in Dänemark mit Bargeld abgewickelt werden – in Deutschland und Österreich sind es dagegen 80 Prozent – hat der nordische Nachbar seine letzte Münzprägeanstalt geschlossen und den Betrieb nach Finnland ausgelagert. Mehr als die Hälfte der Dänen setzt das Smartphone für das mobile Bezahlen ein. Und in ganz Skandinavien hat man längst die Abschaffung des Bargelds zu einem politischen Ziel gemacht. Im Rest Europas ist man da noch skeptisch – auch aus Datenschutzerwägungen heraus, weil befürchtet wird, dass das Konsumentenverhalten durch einen ausschließlich elektronischen Zahlungsverkehr komplett gläsern wird.

Der große Sprung nach vorn: In China zahlt man per Messenger

Tausende Kilometer weiter östlich haben die Konsumenten schon längst entschieden, ob die von ihnen verursachten Datenströme und digitalen Spuren ihres Kaufverhaltens ein Problem für sie darstellen oder nicht. In der Volksrepublik China wird inzwischen nicht nur per Smartphone anstelle mit der Kreditkarte bezahlt. Hier kommt vielmehr die Messenger-App des sozialen Netzwerks WeChat zum Zuge: Die morgendliche Milchbestellung wird damit ebenso erledigt wie die Buchung von Flug- oder Zugtickets. Kinokarten sowie Taxis können damit bestellt und auch die Arztrechnung beglichen werden. Eine App für alles: Austausch mit anderen Nutzern inklusive Zahlungstransaktion.

Dass der chinesische Staat andere Netzwerke im Land blockt und Facebook, WhatsApp und Co. damit keine Chance haben (weil sie ohne Weiteres nämlich gar nicht aufgerufen werden können), stört die Chinesen nicht. Sie haben auch kein Problem damit, dass WeChat ganz sicher auch zum Zweck der staatlichen Internetzensur ausgelesen wird. Der Mehrwert von WeChat scheint in ihren Augen größer als Datenschutzprobleme. So kommt es auch zur großen Nutzerzahl: Rund 960 Millionen aktive Nutzer verzeichnet die Plattform aktuell. 600 Millionen von ihnen nutzen WeChatPay und haben ihr Konto direkt mit der Plattform für Bezahlaktionen verknüpft. China ist eben nicht nur das Land der aufgehenden Sonne – sondern auch der aufgehenden Zahlungsoptionen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes mit hunderten Millionen solventen Konsumenten, die ein bequemes Bezahlinstrument für alltägliche Zwecke nutzen möchten.

Deutsche Studien zeigen: Wir sind (fast) alle online – es gibt aber noch Ausbaupotenzial

Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2017 zeigt: Auch in Deutschland sind neun von zehn Bürgern online. Seit 1997 wird die repräsentative Studie zur Onlinenutzung durchgeführt und liefert verlässliche Daten. Sie zeigt in der jüngsten Erhebung zwar auf, dass nunmehr fast die gesamte Bevölkerung in Deutschland das Internet nutzt. Gerade im internationalen Vergleich wird aber deutlich, dass ein Szenario wie etwa mit China in Sachen Messenger-Nutzung noch in der Zukunft liegt: Lediglich 37 Prozent beträgt die Tagesreichweite in der Gesamtbevölkerung bei der Nutzung digitaler Individualkommunikation mit Chat oder Messenger. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt die Quote bereits bei zwei Dritteln. Da die Studie in den letzten zwanzig Jahren gezeigt hat, wie sich die demografische Entwicklung auf die Zunahme der Internetnutzung auswirkt, ist davon auszugehen, dass auch bei WhatsApp und Co. altersübergreifend die Nutzung stark zunehmen wird. Beim Online-Banking liegt Deutschland schon jetzt leicht über dem EU-Durchschnitt: Jeder zweite Bankkunde erledigt hierzulande seine Bankgeschäfte am heimischen Rechner. Es ist klar, wer auch hier den Spitzenwert angibt: In Dänemark und Finnland liegt der Vergleichswert bei über 85 Prozent.

AareonMAG: Grenzenlose Digitalisierung
Quelle: Thinkstock

Führt man die Ergebnisse aus den Studien zu einem Gesamtbild zusammen, so wird deutlich: Bevor wir in Deutschland von einem durchdigitalisierten Zahlungsverkehr sprechen können, wird sich noch einiges entwickeln müssen. Doch egal, ob auf Reisen, im Job oder nach Feierabend: Vernetzt zu leben wird immer selbstverständlicher – mobile Transaktionen werden im Alltag zu einem Treiber der Digitalisierung. Das werden die Menschen auch im Umfeld ihrer Wohnquartiere in der Stadt der Zukunft merken. Die Wohnungswirtschaft hat diesen Megatrend frühzeitig erkannt und arbeitet an Services, die mit mobilen Lösungen das Leben vereinfachen (siehe hierzu den Aareon-MAG-Artikel „Der Tag hat 25 Stunden“). Das fängt mit der mobilen Wohnungsabnahme per Tablet an und wird beim Kontakt zum Wohnungsunternehmen per Mieter-App und Smartphone weitergeführt. Die zukünftigen Wohnquartiere werden ohnehin digitaler geprägt sein – sei es durch Onlineplattformen zur Nachbarschaftshilfe, den Dialog mit dem Wohnungsunternehmen via Social Media oder online steuerbare Schließsysteme. So, wie es die Menschen beim mobilen Bezahlen mehr und mehr gewohnt sind, wird das Smartphone auch beim Wohnen zu einem universellen „digitalen Schweizer Armeemesser“.

Ob es also um elektronische Bezahlprozesse oder das kommunikative Miteinander geht: Die digitale Transformation ist längst in vollem Gange. Man darf schon jetzt mit Spannung beobachten, was sich in der Wohnungswirtschaft bei Mietern und Vermietern eher durchsetzen wird: die Skepsis gegenüber allzu offenen Datenströmen oder eine pragmatische Perspektive, die eher den Nutzwert digitaler Transaktionen im Mittelpunkt sieht.

Datenmaterial und Statistiken: Digitale und mobile Onlinenutzung und Transaktionen weltweit

Globale Daten zur Digitalisierung: Report „Digital in 2017“
Die jährliche Zusammenschau relevanter Daten zu Internet, Social Media und Mobile Data von WeAreSocial und Hootsuite beinhaltet viele Länderreports und lässt direkte Vergleiche auf identisch erhobener Datenbasis zu (Aktuelle Ausgabe von Anfang 2017): Report "Digital in 2017"

Ericsson Mobility Report
Ebenfalls jährlicher Report, der seit 2012 die Entwicklung und Verbreitung der Mobil-Telefonie und mobiler Technologien sehr übersichtlich und umfassend aufbereitet: Ericsson Mobility Report

WeChat-Guide von t3n
Die Zeitschrift t3n, die die Themen Digitalwirtschaft, Software und Web-Entwicklung und E-Commerce on- und offline ausführlich behandelt, hat für Interessierte einen kostenlosen WeChat-Guide als PDF bereitgestellt: WeChat-Guide von t3n

ARD/ZDF-Onlinestudie
Die aktuellen Ergebnisse der seit zwanzig Jahren durchgeführten repräsentativen Erhebung zur Internetnutzung der Deutschen sind seit Oktober 2017 verfügbar: ARD/ZDF-Onlinestudie